Rebellisch oder unpolitisch?
Protestgeneration 2018
von Sabine Jainski und Ilona Kalmbach
52 min.; arte / WDR 2017

am 22. Mai um 23:30 Uhr in arte und hier in der Mediathek

50 Jahre ist es her, dass Studenten in Europa und den USA auf die Straße gingen und viele glaubten, die Revolution stehe vor der Tür. Heute sieht man ein Erstarken der Rechten, mit Trump, Brexit und AfD, dazu die globale Bedrohung des Klimawandels. Wie steht es also um das politische Engagement der jungen Menschen in Europa heute, 50 Jahre danach? Was können sie vom Erbe der 68er übernehmen? Brauchen wir eine neue Protestgeneration in Europa 2018? Der Dokumentarfilm untersucht den Stand der Protestbewegungen in Spanien und Frankreich und schaut sich in Deutschland um.

"Es wird immer unterstellt, die Jugend sei politikverdrossen, aber vielleicht ist die Politik jugendverdrossen?" fragt Mareike Nieberding, die nach der Trump-Wahl die Jugendbewegung DEMO gründete. Die Jungen sind für Politiker nicht interessant - denn durch den demografischen Wandel bilden sie die erste Generation in Europa, die den Alten zahlenmäßig unterlegen ist. Viele dürfen auch gar nicht wählen: Newroz Duman, die als Kind übers Mittelmeer nach Deutschland flüchtete, organisiert den Straßenkarneval "We'll Come United" in Berlin, um allen eine Stimme zu geben, die von der Politik ohnehin nicht gehört werden. "Junge Leute können in dieser Welt was bewegen, sie müssen nur zusammenkommen, einen Raum für sich finden."

Zudem fühlen sich die jungen Leute durch die etablierte Politik nicht mehr vertreten. Stattdessen setzen sie auf direkte Demokratie, soziale Netzwerke, Transparenz. In Spanien ist bereits eine neue Generation in die Rathäuser der "Städte des Wandels" eingezogen und setzt mehr Bürgerbeteiligung durch. In der Pariser Vorstadt Créteil versucht David Cousy, mit konkreten Projekten vor Ort das Rathaus zu erobern.

Manche haben aber auch genug von Institutionen und setzen auf direkte Aktion, wie die internationalen Klimaaktivisten, die mit "Ende Gelände" Braunkohlebagger blockieren. Wie Thibaut Linares träumen sie von autonomen Zonen, in denen ein besseres Leben schon hier und jetzt aufgebaut wird, um sich gegen die drohende Klimakatastrophe zu wappnen.